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| Solmisaton: Fluch order Segen? |
So, 22 Mai 2011 11:48  |
kolmogolov@gmail.com
Beiträge: 19 Registriert: März 2011
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Junior Member |
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Hi,
mich interessiert, ob die Technik in Deutschland
ueberhaupt bekannt waere?
Die Solmisation, ein System der Nomenklatur der
musikalischen Noten, wurde durch Guido d'Arezzo
(991/992--1033) verwendet, dass seine Chorsaenger
kuerzere Lernzeit aufwiesen. Es handelt sich um eine
nicht-triviale, ``verschobene'' Benennung einzelner
Note, damit z.B. Do (Ut) immer mit dem Schuesselton
verknuepft sei, Fa dem Subdominanten, und Sol dem Dominanten,
u.s.w. bei einer Dur-tonalen Melodie. Es ist also
eine Nomenklatur von Do/Ut, Re, Mi, Fa, Sol, La, Si/Ti
fuer die Melodien, egal welcher Tonart, so dass jeder von
ihnen immer die selbe tonale Funktion aufweist.
Meines erachtens handelt es sich eher um eine direkte
Abbildung zwischen visueller Wahrnehmung der Noten und
motorischem Agieren aufs Intrument bei dem Vorgang des
Intrumentenspielens.
Beim ``Vom-Blatt-singen'' allerdings sei die innerliche
Vorgehensweise viel komplizierter.
Also soll die Solmisation dabei helfen koennen, um z.B.
eine Melodie besser lernen zu koennen, oder aber auch
eine bereits bekannte Melodie ohne Noten direkt auf einem
Instrument spielen zu koennen, etc.
Da ich selber in deutschen Choeren gesungen habe, ist
mir aufgefallen, dass die Leute, z.B. eine G-Dur
Melodie eher absolut mit
G A H C D E Fis G
singen wuerden (wenn ueberhaupt),
waehrend ``viele''(Statistik leider nicht verfuegbar)
hier in Taiwan den G zu Do machen und singen
Do Re Mi Fa Sol La Si Do
Ist dies denn in Deutschland generell wahr?
(Denn ich kann ja nicht in dermassen vielen
Choeren gesungen haben.)
Komischerweise ist mir diese Technik schon seit
Vorschulzeit bekannt und verwende sie auch
``ziemlich automatish'' so bald ich ein Kreuz
ins Auge bekomme. Es ist mir auch voellig in
Ordnung bei z.B. G-Dur oder d-moll absolute
Notennamen zu nehmen, aber wie schafft man denn
das, falls beispielsweise "Sah ein Knab ein
Roeslein stehen; Roeslein auf der Heide...''
in Fis-Dur gesetzt waere.
Ich weiss im Moment nichteinmal in welcher Tonart
Schubert's geschreiben hat, aber es entsteht
mir im Kopf ziemlich automatisch die Klaenge:
``mi mi mi mi sol fa fa mi re;
re re mi fa sol do, ...''
Beim Schoenberg, ist es sowieso gleich schlimm,
nicht wahn? Es sei denn, man verfuege ueber sog.
absolutes Gehoer(hmmmm... wie? 440 oder 443 Hz
wie z.B. bei der Nordwestdeuscthen?).
Koennt Ihr bitte Eure Erfahrunen damit erzaehlen?
Danke fuers Sharing.
Gruesse
Rudi
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| Re: Solmisaton: Fluch order Segen? |
Mo, 23 Mai 2011 08:12   |
David Kastrup
Beiträge: 1449 Registriert: Mai 2010
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Senior Member |
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"kolmogolov@gmail.com" <kolmogolov@gmail.com> writes:
> Hi,
>
> mich interessiert, ob die Technik in Deutschland
> ueberhaupt bekannt waere?
Sie ist nicht gebräuchlich. Da im Barock die Modulation zu einem
Hauptwerkzeug in der Vokalmusik wurde, ist ihre Verwendbarkeit im Umfeld
"moderner" Musik seit etlichen Jahrhunderten eher beschränkt.
> Es ist also
> eine Nomenklatur von Do/Ut, Re, Mi, Fa, Sol, La, Si/Ti
> fuer die Melodien, egal welcher Tonart, so dass jeder von
> ihnen immer die selbe tonale Funktion aufweist.
Die Ambivalenz der tonalen Funktion ist das Fundament der Modulation.
> Meines erachtens handelt es sich eher um eine direkte
> Abbildung zwischen visueller Wahrnehmung der Noten und
> motorischem Agieren aufs Intrument bei dem Vorgang des
> Intrumentenspielens.
Das motorische Agieren ist, abgesehen von chromatischen Bedienelementen
wie beim Lagenspiel auf Saiteninstrumenten oder chromatischen
Akkordeons, vorzeichenvariablen Instrumenten wie Pedalharfen oder
Wechselmundharmonikas, nicht von der absoluten Lage der Töne zu trennen.
> Da ich selber in deutschen Choeren gesungen habe, ist
> mir aufgefallen, dass die Leute, z.B. eine G-Dur
> Melodie eher absolut mit
>
> G A H C D E Fis G
>
> singen wuerden (wenn ueberhaupt),
Wenn überhaupt.
> Ist dies denn in Deutschland generell wahr?
> (Denn ich kann ja nicht in dermassen vielen
> Choeren gesungen haben.)
So etwas wie den Caffee-Kanon
"C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Kaffee"
würde man in Transposition nicht mit verändertem Text singen. Die
Buchstaben werden schon mit einem Thema assoziiert, das auch die
Transposition überlebt, aber die Buchstaben sind nicht funktional
belegt.
In der Barockzeit wird auch mit Themen "B-A-C-H" und ähnlichem
gearbeitet. Vorzeichen bei diesen intellektuellen Spielereien, die
nicht als Hilfe für den Sänger gedacht sind, kommen tendenziell erst zur
Zeit der Klassik ins Spiel.
--
David Kastrup
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| Re: Solmisaton: Fluch order Segen? |
Mo, 23 Mai 2011 12:55   |
Ulla Speck
Beiträge: 79 Registriert: Februar 2011
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Member |
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David Kastrup schrieb:
>> mich interessiert, ob die Technik in Deutschland
>> ueberhaupt bekannt waere?
>
> Sie ist nicht gebräuchlich. Da im Barock die Modulation zu einem
> Hauptwerkzeug in der Vokalmusik wurde, ist ihre Verwendbarkeit im Umfeld
> "moderner" Musik seit etlichen Jahrhunderten eher beschränkt.
Naja, aber man muss ja auch wissen (lernen) WO jede Modulation hin
geht, und dann passt man sich natürlich der neuen Basis an.
Ausserdem hat SOWIESO jeder "bewusst analytisch hörende" Musiker
eh irgendeine Methode, die ihm augenblicklich die Funktionen der
Töne des tonalen Systems identifiziert. Z.B. "weiss" jeder solche
Musiker augenblicklich, ob er in einem tonalen Zusammenhang die
Terz, Leitton, usw. in der Melodie oder im Bass, usw. hört und
diejenigen, die kein explizites Verfahren dazu wie Solmisation
gelernt haben, die benutzen innerlich meist einfach die Stufennummern.
Dass Solmisation auch bei Mahler oder Wager funktioniert, das hat
z.B. der Dirigent Claudio Abbado mal im Fernsehen demonstriert, indem
er während einer Probe mit dem Orchester solmisierte Phrasen bearbeitete.
Und genauso wie einer, der Auto mit Rechtsverkehr gelernt hat, kann
der auch mal im Linksverkehr fahren und während dessen seine sonstigen
überwältigend präsenten Gewohnheiten vergessen, wie das sichlich z.B.
bei den meisten Musikern der Fall ist, wenn die atonale Musik verarbeiten.
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| Re: Solmisaton: Fluch order Segen? |
Mo, 23 Mai 2011 13:17   |
David Kastrup
Beiträge: 1449 Registriert: Mai 2010
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Senior Member |
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Ulla Speck <speck@Use-Author-Supplied-Address.invalid> writes:
> David Kastrup schrieb:
>
>>> mich interessiert, ob die Technik in Deutschland
>>> ueberhaupt bekannt waere?
>>
>> Sie ist nicht gebräuchlich. Da im Barock die Modulation zu einem
>> Hauptwerkzeug in der Vokalmusik wurde, ist ihre Verwendbarkeit im Umfeld
>> "moderner" Musik seit etlichen Jahrhunderten eher beschränkt.
>
> Naja, aber man muss ja auch wissen (lernen) WO jede Modulation hin
> geht, und dann passt man sich natürlich der neuen Basis an.
Die Modulation geht ja nicht irgendwo hin in dem Sinne, daß in jeder
Stimme zu jedem Zeitpunkt eine Funktion innerhalb eines festlegbaren
Tonsystems bestünde. Man fängt an in einem Tonsystem und endet in einem
anderen, aber je nachdem, im Kontext welcher anderen Stimmen man eine
Stimme betrachtet, wechselt sie zu einem anderen Zeitpunkt.
> Ausserdem hat SOWIESO jeder "bewusst analytisch hörende" Musiker eh
> irgendeine Methode, die ihm augenblicklich die Funktionen der Töne des
> tonalen Systems identifiziert. Z.B. "weiss" jeder solche Musiker
> augenblicklich, ob er in einem tonalen Zusammenhang die Terz, Leitton,
> usw. in der Melodie oder im Bass, usw. hört und diejenigen, die kein
> explizites Verfahren dazu wie Solmisation gelernt haben, die benutzen
> innerlich meist einfach die Stufennummern.
Das ist in dieser Verallgemeinerung schlicht Unfug.
> Und genauso wie einer, der Auto mit Rechtsverkehr gelernt hat, kann
> der auch mal im Linksverkehr fahren und während dessen seine sonstigen
> überwältigend präsenten Gewohnheiten vergessen, wie das sichlich z.B.
> bei den meisten Musikern der Fall ist, wenn die atonale Musik
> verarbeiten.
Also, ich singe gerade in meinem Chor "Tom Dooley" im Satz der "Four
Freshman", und da wäre jeder Versuch einer Solmisation Unfug. Nicht,
weil die Musik atonal wäre, sondern weil sie "überdefiniert" ist. Es
gibt fast keine "sauberen" Akkorde, sondern da sind praktisch immer
irgendwelche kleinen oder großen Sekunden im Spiel, bei denen sich durch
Weglassen jeweils einer Einzelstimme ein "sauberer" Akkord erzielen
ließe, aber halt jeweils ein anderer, mit anderer Tonalität. Und es
macht auch keinen Sinn, alles durch das Filter "Baß ist Grundton" zu
sehen, weil dieser mit am häufigsten irgendwelche chromatischen
Durchgänge hat.
Im Gegensatz zur barocken Modulation, die eher von einer temporären
Unterbestimmung und damit Ambivalenz des harmonischen Kontextes lebt,
ist dieses Stück (wie viele Jazzarrangements) von einer
widersprüchlichen Überbestimmung charakterisiert.
In beiden Fällen greift eine Solmisation zu kurz, um die Rolle einer
Stimme in ihrem musikalischen Kontext zu beschreiben.
--
David Kastrup
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| Re: Solmisaton: Fluch order Segen? |
Mo, 23 Mai 2011 14:29   |
Ulla Speck
Beiträge: 79 Registriert: Februar 2011
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Member |
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David Kastrup seicht:
>> Ausserdem hat SOWIESO jeder "bewusst analytisch hörende" Musiker eh
>> irgendeine Methode, die ihm augenblicklich die Funktionen der Töne des
>> tonalen Systems identifiziert. Z.B. "weiss" jeder solche Musiker
>> augenblicklich, ob er in einem tonalen Zusammenhang die Terz, Leitton,
>> usw. in der Melodie oder im Bass, usw. hört und diejenigen, die kein
>> explizites Verfahren dazu wie Solmisation gelernt haben, die benutzen
>> innerlich meist einfach die Stufennummern.
>
> Das ist in dieser Verallgemeinerung schlicht Unfug.
Du hast eben keine Ahnung und gehst den Leuten wieder und wieder
mit deinem dümmlichen Gefasel auf den Wecker.
Wie es kürzlich jemand sagte: du hast offensichtlich viel zu viel
Trance in dem Matsch da oben drin.
Nochmal:
Dass Solmisation auch bei Mahler oder Wanger funktioniert, das hat
z.B. der Dirigent Claudio Abbado mal im Fernsehen demonstriert, indem
er während einer Probe mit dem Orchester solmisierte Phrasen bearbeitete.
Aber man soll deine Selbstgespräche eben lieber nicht unterbrechen, also
dann fasele eben in Zukunft allein vor dich hin.
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| Re: Solmisaton: Fluch order Segen? |
Di, 24 Mai 2011 08:10   |
Stephan Zitzmann
Beiträge: 117 Registriert: März 2010
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Senior Member |
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"kolmogolov@gmail.com" <kolmogolov@gmail.com> schrieb:
>Koennt Ihr bitte Eure Erfahrunen damit erzaehlen?
>Danke fuers Sharing.
In Deutschland nicht gebräuchlich. In anderen Ländern ist dies aber
ein fester Bestandteil des Instrumentalunterrichtes. Meine spanischen
Kommilitonen haben mir erzählt, es wäre sogar Pflicht und wäre dem
Instrumentalunterricht vorgeschaltet.
In Konservatorien und Hochschulen werden zwar Kurse angeboten und
besucht. Da die Leute aber da schon genügend vom Blatt singen können
und auch aufgrund der Stufendiktate nicht all zu viel Gewinn ziehen
aus diesen Kursen, bleibt es eine Nische.
Stufendiktate sind Aufgaben im Gehörbildungsunterricht. Funktioniert
so. Eine Kadenz wird gespielt, dann einzelne Töne angespielt und man
muss bestimmen, was für eine Stufe das ist.
Darauf greife ich innerlich auch beim vom Blatt singen zurück.
Ich habe mal ein wenig Solmisation ausprobiert. Ich finde es
interessant, aber ich müsste es ernsthaft üben und dafür reicht die
Zeit nicht. Interessant deswegen, weil ich glaube, dass die
Konditionierung "Was steht da, wie klingt es" die durch die
Solmisation erreicht wird, schneller erreicht ist als bei dem
beschriebenen Stufensystem. Was aber eher in der Didaktik der beiden
Systeme begründet liegt.
Viele Grüße
Stephan
--
http://www.musiklehrer-fuer-musiklehrer.de/buch_abfrage.php? menuid=18
http://www.musiklehrer-fuer-musiklehrer.de/CD_abfrage.php?me nuid=19
http://www.blog.gitarrenunterricht-frankfurt.de/
http://www.radreisen.stephan-zitzmann.de/2007/09/27/velotrau m-erfahrungsbericht/
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| Re: Solmisaton: Fluch order Segen? |
Di, 24 Mai 2011 09:57   |
David Kastrup
Beiträge: 1449 Registriert: Mai 2010
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Senior Member |
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Florian Anwander <fanwander_newsgroup@mnet-online.de> writes:
> Hallo Rudi
>
> Meine Freundin hat vor dreieinhalb Jahren bei einem Klavierlehrer
> angefangen Klavier zu spielen, der mit Solmisation gearbeitet hat.
>
> Er hat mit einer verschiebbare Papierleiste mit den
> Solmisations-Notenbenennungen an der Klaviatur und einer
> "Pianorollen"-artigen Notendarstellung gearbeitet.
> Die Papierleiste kann man auf diesem Foto sehen:
> http://fa.utfs.org/diy/lipp_piano.jpg
>
> Die Anfänge gingen für meinen Eindruck deutlich schneller - wenn nicht
> gar enorm viel schneller als beim üblichen
> NoteverstehenÜberlegenFingerlegenDrücken-Stil, der letzlich dann doch
> irgendwann hinterm klassischen Einsteigerklavierunterricht
> steckt. Einfach weil nicht zwei Schwierigkeiten gleichzeitig bestehen
> (nämlich Klavierspielen _und_ komplizierte Noten lesen), sondern sie
> sich wirklich auf das Erlernen der Motorik des Klavierspielen
> konzentrieren konnte.
Also gerade beim Klavier mit seiner diatonischen Tastatur, für die das
traditionelle Notenbild (im Gegensatz zu Saiteninstrumenten und Gesang
etwa) quasi eine Tabulatur darstellt, leuchtet mir der Vorteil gegenüber
einer tonleiterneutralen Darstellung für das Vomblattspiel nicht ein.
> Ganz davon abgesehen, das es schon sehr beeindruckend ist, wenn ein
> Einsteiger eine (sicher einfache) Bachinvention einfach mal einen
> Tritonus nach oben transponiert.
Persönlich würde ich den transponierfreundlichen Umweg über ein
skalenorientiertes Denken als Bremsklotz beim Vomblattspiel einschätzen.
Tatsächlich ist es m.E. der Hemmschuh Nr. 1 für potentielle Umsteiger
vom Pianoakkordeon auf das chromatische Knopfgriffakkordeon.
Bei letzterem ist die Übung "einen Tritonus nach oben" trivial
durchzuführen und kann einem auch aus Versehen passieren, wenn man auf
dem falschen Ton beginnt. Als Ausgleich für die einfache Transposition
hat man aber immer die Notwendigkeit eines funktionaleren Blicks in das
Notenbild gegeben, der klassischen Vomblattreißern, bei denen die Noten
quasi direkt in die Finger münden, weniger liegt ("Spielen Sie xxx um
yyy transponiert" gehört zwar zum Prüfungspensum von Musikern, wird aber
in der Orchesterpraxis, von spezifischen Ausnahmen bei transponierenden
Instrumenten einmal abgesehen, nicht erwartet).
--
David Kastrup
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| Re: Solmisaton: Fluch order Segen? |
Di, 24 Mai 2011 19:29   |
Florian Anwander
Beiträge: 32 Registriert: März 2011
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Member |
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Hallo David
> Also gerade beim Klavier mit seiner diatonischen Tastatur, für die das
> traditionelle Notenbild (im Gegensatz zu Saiteninstrumenten und Gesang
> etwa) quasi eine Tabulatur darstellt, leuchtet mir der Vorteil gegenüber
> einer tonleiterneutralen Darstellung für das Vomblattspiel nicht ein.
Der Vorteil ist eben, dass man sich nicht von den schwarzen Tasten kirre
machen lässt. Wenn sie eh schon anders, kleiner und schwarz sind, dann
müssen sie doch nicht auch noch als Kreuz in den Noten auftauchen, das
man dauernd vergisst. (ich formuliere jetzt mal überspitzt).
Zudem fällt die andere Notierung in Bass und Violinschlüssel weg.
Und ich kann nur wiederholen. Ihre Lernerfolge und die auch heute bei
Ihr bestehende "Nicht-Hemmung" bei vielen Vorzeichen in den Noten,
beeindrucken mich immer wieder. Ich glaube schon, dass ich nach
beobachtung von zwei (inclusive meiner drei) Musiklernenden-Generationen
einigermaßen beurteilen kann, welchen Einfluss eventuelles Talent und
welchen die Lehrmethode hat, und da bin ich nach wie vor beeindruckt von
der Methode.
Es ist natürlich ein Hemmschuh beim Vomblattspiel, aber der viel viel
größere Hemmschuh ist ja das "Spiel" überhaupt - und das wurde da
verblüffend unterstützt. Das mit "vom Blatt" kommt ja eh erst mal später
(wie gesagt, wir sprechen von absoluten Anfängern).
Florian
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| Re: Solmisaton: Fluch order Segen? |
Mi, 25 Mai 2011 19:44   |
Stephan Zitzmann
Beiträge: 117 Registriert: März 2010
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Senior Member |
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David Kastrup <dak@gnu.org> schrieb:
>Stephan Zitzmann <zs.hassia@gmx.de> writes:
>
>> Stufenkenntnis ist auch beim Vom-Blatt-SIngen ganz nett. Weil eine
>> Quarte 5-1 leichter zu singen ist als die Quarte 7-3. Mit Stufen ist
>> beides gleich schwer.
>
>Dunkel ist der Sinn Deiner Worte.
Also ich kann auf beide Arten vom Blatt singen. Via Intervalle und via
Stufe. Dabei stelle ich fest, dass manche Intervalle sich von
bestimmten Stufen schwerer singen als von anderen Stufen. Verwende ich
die Stufenmethode, macht sich dieser Unterschied in der Schwierigkeit
nicht bemerkbar.
Besonders schönes Beispiel. Tritonus. h->f. Als Intervall zu singen
unangenehm, in Stufenbewusstsein gesungen ein Klacks.
Da ich auf Intervalle und Stufen trainiert worden bin. Die Stufen
hatte ich wesentlich schneller intus und parat als die Intervalle.
Meinen Kampfgenossen in der Laienabteilung des Konservatoriums ging es
damals ähnlich.
Man kann das alles mit Intervallen machen, und wenn es tonal heikel
wird, bleibt teilweise nichts anderes übrig. Aber die Stufen
funktionieren schneller.
Die Solmisation beschleunigt das vielleicht durch ihre sture Bildung
von Reizreaktionsketten.
Noch etwas zu deinem Einwand bei Florian. Dass die Schüler das
Offenkundige der Klaviertastatur wirklich so mir nicht dir nichts
begreifen, ist fraglich.
Mich wundert z. B. immer wieder, wenn ich meinen Schülern beibringe
Dreiklänge in der Grundstellung zu schreiben, dass ich fast alle mit
der Nase darauf stoßen muss, dass es ein optisches Muster gibt und
dass man sich eigentlich nur um die Vorzeichen kümmern muss.
Oder auch wenn ich ihnen zeige, wie man Kadenzen schreibt. Sie leiten
sich die fünfte Stufe für den Bass immer brav vom Grundton her,
anstatt mal einen Ton höher zu der schon im Bass dastehenden vierten
Stufe zu schreiben.
Das, was so offenkundig nach jahrelanger Erfahrung erscheint, ist es
nämlich gar nicht. Und es gibt Systeme, die diese Strukturen schneller
und leichter offenkundig machen.
Viele Grüße
Stephan
--
http://www.musiklehrer-fuer-musiklehrer.de/buch_abfrage.php? menuid=18
http://www.musiklehrer-fuer-musiklehrer.de/CD_abfrage.php?me nuid=19
http://www.blog.gitarrenunterricht-frankfurt.de/
http://www.radreisen.stephan-zitzmann.de/2007/09/27/velotrau m-erfahrungsbericht/
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| Re: Solmisaton: Fluch order Segen? |
Do, 26 Mai 2011 07:23   |
Wolfgang Krietsch
Beiträge: 1671 Registriert: Dezember 2010
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Senior Member |
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kolmogolov@gmail.com wrote:
>Hi,
>
>mich interessiert, ob die Technik in Deutschland
>ueberhaupt bekannt waere?
>
>Die Solmisation, ein System der Nomenklatur der
>musikalischen Noten,
Kein Beitrag zur Sache, und das, waa Du da beschreibst, ist auch fern von
meiner musikalischen Praxis, aber: ich finde es immer wieder spannend, dass
man hier, auch wenn man sich schon lange mit Musik(machen) beschäftigt,
immer mal wieder etwas über Dinge lernen kann, von denen man vorher noch
nie auch nur gehört hat.
Bye
woffi
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Congratulations - you're the first human to fail the Turing-Test.
(Dilbert)
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| Re: Solmisaton: Fluch order Segen? |
Fr, 27 Mai 2011 20:59  |
Stephan Zitzmann
Beiträge: 117 Registriert: März 2010
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Senior Member |
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Florian Anwander <fanwander_newsgroup@mnet-online.de> schrieb:
>Interessanterweise hat sie die Fähigkeit sehr schnell abgebaut, nachdem
>sie komplett auf normale Noten umgestiegen ist (letzteres wollte
>übrigens sie, weil sich nicht von seinem System abhängig sein wollte).
Ich habe ein "nicht" im vorigen Posting vergessen. Ich habe es mal
eingefügt.
SZ:So wie ich Solmisation verstehe, ist das Ziel die
Reizreaktionskette
SZ:Symbol -> Klangvorstellung zu bilden. Die Methode des
Klavierlehrers
SZ:erzeugt in erster Linie Symbol -> motorische Reaktion. Die Kette
SZ:Symbol -> Klangvorstellung muss sich in diesem Setting nicht
zwangsläufig
SZ:bilden. Ist aber begünstigt.
Ich finde es in gewisserweise logisch, dass deine Freundin die
Fähigkeit verloren hat. In diesem Unterrichtssetting war vermutlich
nicht abgesichert worden,
- dass ihr die funktionale Bedeutung der einzelnen Stufen (Silben)
klar gemacht worden ist.
- dass sie eine bewusste Klangvorstellung zu jeder Silbe gebildet hat,
bevor sie den auf dem Klavier angeschlagen hat.
- ob deine Freundin die Silben (innerlich) z.B. mitgesungen oder
mitgesprochen hat.
- weiter ist die Frage, ob die funktionale Bedeutung der Noten und
ihre Entsprechung bei den Solmisationssilben hergestellt und
erarbeitet worden sind.
So wie ich mir die Übesituation und Unterrichtssituation vorstelle,
ist zu wenig bestimmt worden, was deine Freundin im Kopf macht. Aber
das dürfte entscheidend für den nachhaltigen Erfolg der ersten Methode
sein.
Viele Grüße
Stephan
--
http://www.musiklehrer-fuer-musiklehrer.de/buch_abfrage.php? menuid=18
http://www.musiklehrer-fuer-musiklehrer.de/CD_abfrage.php?me nuid=19
http://www.blog.gitarrenunterricht-frankfurt.de/
http://www.radreisen.stephan-zitzmann.de/2007/09/27/velotrau m-erfahrungsbericht/
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